Wüstensafari mit IQ-Ontour Teil3
Published: 04/22/2010 by Wolfgang

Adventure Desert
Heute ist das grosse Sandmeer angesagt. Feste Wege oder überhaupt Wege gibt es hier nicht mehr. Mit einem herzhaften Frühstück bereiten wir uns gut darauf vor. Heute werden wir auf die längsten und höchsten Sanddünen der ganzen Region treffen.
Gleich nach dem Frühstück geht es dann auch los. Robby ermahnt uns noch in dieser weiten
Region nicht zu weit auseinander zu fahren und die nächste Etappe beginnt. Wir fahren weiter in diese endlose Weite. In dieser grossen Ebene der feinsandigen Wüste lassen wir das Gas mal mächtig offen stehen. Ein Gefühl wie Easy Rider – nur etwas staubiger- kommt in jedem von uns auf. Immer wieder winken wir uns zu als wenn wir uns gegenseitig anspornen möchten. Und da sind sie dann auch, die grossen Dünen des grossen Sandmeeres. Es ist eine richtige Berglandschaft aus feinstem Sand.
Jetzt können wir zeigen was wir die vergangenen Tagen in den kleineren Dünen an Erfahrung gesammelt haben. Steil geht es nach oben und es ist echt arbeit die KTM unter Kontrolle zu halten. Aber es ist ein Gefühl als wenn ich Richtung Himmel fahre. Ich kann nicht mal abschätzen wie lange diese Düne überhaupt ist. Aber das interessiert mich jetzt auch nicht, denn ich will da nur rauf und ganz oben am Grad entlang surfen.
Ich habe kein Gefühl dafür wie lange ich nun schon auf dem Weg nach oben bin. Es erscheint
mir endlos aber es ist eine echte Herausforderung. Nur gelegentlich habe ich Sichtkontakt mit meinen Kollegen. Jeder arbeit sich diesen gewaltigen Berg hinauf.
Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Dieses Lied fällt mir spontan ein als ich es geschafft habe oben anzukommen und über den Grat hinaus in die weite Wüste schauen kann. Ich nehme das alles sehr bewusst war und diese Faszination legt sich auch nicht als ich die gesamte Länge der Düne ganz oben entlang des Grates abfahre. Alles läuft wie in einem Film vor mir ab. Wie wenn diese Landschaft und das Feeling mit dem Bike in dem feinen Sand für mich arrangiert worden wäre.
Ich kann nicht mal sagen ob ich traurig, glücklich oder müde bin als ich das Ende der Düne erreicht habe und sie gemächlich in die Ebene ausläuft. Ich habe die längste Düne der gesamten Wüste mit meinem Bike abgeritten und will das auch erst mal für mich haben. Robby schein das verstanden zuhaben oder zu wissen. Mit einem Lächeln und dem Kommentar „das war echt Klasse“ lässt er mich mit meinen Gedanken allein.
Erst als ich ihn zu den Jeeps gehen sehe bemerke ich, dass die hier auf uns gewartet haben. Ich war zu sehr mit meinen Erlebnissen beschäftigt um sie überhaupt zu sehen. Alle von uns haben dieses Dünenerlebnis gemeistert. Den anderen geht es wie mir und erst als wir mit dem Mittagessen fertig sind beginnen wir miteinander zu sprechen. Von der Ruhe schlägt die Stimmung in wahre Beigeisterungsausbrüche um. Stefan juchtst wie ein Cowboy und Julia hat echte Tränen in den Augen. Das war schon eine Wahnsinnsaktion diese Düne.
Noch ein Tee und weiter geht es mit den Bikes. Diese Düne hat uns allen grosses Selbstvertrauen gegeben. Den ganzen Nachmittag fahren wir noch unzählige Dünen ab bis wir den Platz für unser Nachtlager finden. Das Basiscamp steht bereits und die Jungs sind gerade dabei unsere Zelte aufzustellen.
Nasser hat wieder fein für uns gekocht und diesmal essen wir gemeinsam mit dem Sonnenuntergang. Heute hat aber keiner von uns Zeit das so richtig zu geniessen. Alle reden wir nur von dieser fantastischen Sanddüne. Am Lagerfeuer mach Robby noch sein Briefing für den morgigen Tag. Erstmals ermahnt er uns genügen Schlaf zu nehmen und ins Bett zu gehen. Morgen wird ein langer Tag. Nochmal 150 km bis wir aus dem Sandmeer heraus sind und dann noch ca 100 km bis zur weissen Wüste. Klar wollen wir alle fit sein und somit trinken wir unsern Tee aus und legen uns schlafen.
Die Frühstückszeit um 07 Uhr macht mir zum Glück nichts aus. Ausserdem wird es wenig später im Zelt auch schon heiss und ich geh gerne hinaus. Dort wartet Nasser schon mit dem üppigen Frühstück und meinem Tee.
Der Mechaniker hat die Motorräder getankt und gecheckt und so können wir gleich nach dem Frühsrück los. Wieder führt uns der Weg entlang der Sanddünen und wir spielen mit ihnen wie die Tage vorher. Ich werde nicht müde immer wieder den Weg hinauf zu suchen um dann die Dünen entlang zu surven oder die Steilabfahrt zu geniessen. Ich habe mittlerweile auch so viel Erfahrung gesammelt, dass ich mit meinem Blick das gesamte Panorama erfassen kann. Nein, ich habe mich nicht an diesen Anblick gewöhnt, er fasziniert mich immer wieder aufs Neue.
Beim Mittagessen spricht Robby unser Nachtcamp an. Er will mit uns heute so weit kommen, dass wir das Camp in der weissen Wüste aufschlagen können. Er erzählt uns von den schneeweissen Kalksteinfelsen welche sich im Licht des Sonnenunterganges rot färben und gerät dabei richtig ins Schwärmen. Jeder von uns kennt ihn mittlerweile so gut, dass das etwas besonderes sein muss wenn er so viel Wert darauf legt das Camp dort zu errichten.
Und somit sind wir natürlich zu 100 Prozent dabei möglichst zügig voran zu kommen. Die Abstände zwischen den einzelnen Sanddünen vergrössern sich allmählich und sie werden kleiner. Eine komplett andere Wüste. Flach, offen endlose Sicht aber immer noch extrem feiner Sand. Ein ideales Terrain um meine KTM so richtig marschieren zu lassen. Ich wundere mich immer wieder über die Kondition von Julia. All die Tage hat sie nicht einmal zurückgesteckt, war immer auf gleicher Höhe und hatte alles im Griff. Ich freu mich wirklich sie auf diesem Trip kennen gelernt zu haben.
Robby hat uns nicht zu viel versprochen. Ganz allmählich fahren wir in eine komplett weisse Landschaft ein. Es ist die weisse Wüste welche laut Robbys Beschreibung 2003 zum Nationalpark erklärt wurde. In Millionen von Jahren hat der Wind und die Erosion Kalksteingebilde entstehen lassen welche jeglicher Fantasie freien Lauf gewähren. Ich muss mich wirklich konzentrieren um meine Maschine im Griff zu behalten. Nicht auf Grund des Geländes, sondern weil ich meine Augen überall gleichzeitig habe.
Es ist alles so total anders als noch vor einigen Stunden. Hat alles nichts mehr zu tun mit der Wüste welche wir in Siwa vorfanden. Ich bin mir nicht sicher ob das Kunst ist oder ob es sich um ein Naturspektakel handelt. Selbst die vereinzelt stehenden Akazien passen in diese bizarre Landschaft.
Robby biegt um einen grösseren Kalksteinfesen und dahinter sehe ich unsere Jeeps. Wir habe es geschafft und ich bin schon ganz aufgeregt auf den Sonnenuntergang. Wir sind sehr gut in der Zeit und somit stehen unsere Zelte und das Camp schon als die Dämmerung einsetzt. Perfekter Zeitplan, danke Robby.
Die Position unseres Nachcamps ist der optimale Platz für jeden Maler. Was sich hier vor unseren Augen abspielt ist ganz einfach Kunst. Mit der untergehenden Sonne nimmt der schneeweise Kalkstein der ganzen Umgebung alle erdenklichen Farbtöne an. Gelb- Blau- und Rotöne in allen Variationen geben der Landschaft alle par Minuten ein anderes Aussehen. Was die Natur hier bietet kann man nur geniessen. Es ist nur schade, dass die Sonne hier so schnell untergeht. Ich möchte das über Stunden auf mich wirken lassen. Ich weiss nur, dass ich mir morgen früh den Sonnenaufgang nicht entgehen lassen werde.
Und schon ist es dunkel. Wie immer sitzen wir um das Lagerfeuer. Nasser hat wieder ein tolles Abendessen gezaubert und wir sind alle super satt und super zufrieden. Das war der Tag der visuellen Impressionen. Was unser Auge heute geboten bekommen hat wird sich nicht so schnell wiederholen. Jeder Abschnitt der Wüste hat seinen eigenen, besonderen Reiz. Aber von den Lichtspielen bei Sonnenuntergang ist die weisse Wüste mein absoluter Top Favourit.
Robby zieht genüsslich an seiner Shisha und erzählt uns was uns morgen noch alles erwartet. Ihm ist anzumerken, dass er glücklich darüber ist uns zur rechten Zeit hier her gebracht zu haben. Diesen Sonnenuntergang werde ich ihm nie vergessen. Die ersten Gedanken an das Ende dieser Tour verwirft er mit einem Lächeln. Lass uns hier in der ägyptischen Wüste die Regeln der Wüstenbewohnern einhalten. Die denken nicht an Morgen, sie gehen vollkommen in das Heute auf. Ich finde das ist eine herrliche Einstellung. Wenn man so viele Eindrücke an einem Tag erhalten hat, sollte man das nicht abhaken und an morgen denken.
Nach einer etwas kürzeren Nacht – wir waren alle ganz einfach so begeistert und fasziniert, dass wir immer wieder darüber reden mussten – stehe ich um 05 Uhr mit Robby auf eine Kalksteinfelsen und beobachte den Sonnenaufgang. Ich versuche das jetzt erst gar nicht zu beschreiben. Wenn der Sonnenuntergang des Vortages für uns alle ein derart beeindruckendes Naturschauspiel war, dann nur weil wir hier noch keinen Sonnenaufgang erlebt haben. Wer Naturerlebnisse neu difinieren will soll genau hier auf diesen Kalksteinfelsen steigen und in der kühlen und klaren Morgenluft der weissen Wüste einen Sonnenaufgang erleben. Ich werde jedenfalls genau zu diesem Felsen zurückkehren um das noch mal erleben zu dürfen.
Nach dem Frühstück fällt es uns allen sehr schwer das Lager zu verlassen. Es war unsere letzte Nacht in der Wüste. Es war unsere letzte Nacht am Lagerfeuer unter diesem gigantischen Sternenhimmel. Es war unsere letzte Nacht in dieser absoluten Ruhe und es war unsere letzte Nacht mit unserer ägyptischen Staff. Mir wird das unwahrscheinlich fehlen und ich verspüre so ein wenig das Gefühl von Abschied und Heimweh. Aber lass mich an die Regeln der Beduinen denken. Heute zählt und heute lebe ich.
Also in den Sattel meiner geliebten KTM und lass mich die weisse Wüste geniessen. Es ist tatsächlich so, dass je nach Fantasie jeder Kalksteinfelsen die Gestalt einer Figur annimmt. Ob ich eine Sphinx oder einen grossen Vogel darin erkenne hängt ganz allein von mir ab. Ich habe das Gefühl heute extrem grosse Schneefelder hineinzufahren. Der weisse Kalkstein refektiert die Sonne extrem und somit kommt es zu Spiegelungen. Absolut beeindruckend was diese weisse Wüste zu bieten hat.
Ich geniesse die Fahrt durch diese Felsenlandschaft. Ganz kurz kommt der Gedanke auf wieder eine dieser tollen Dünen abreiten zu wollen. Doch schon holt mir die Form eines gigantischen Kalksteinfelsens wieder in die weisse Wüste zurück. Inhalieren Wolfgang, Du musst all diese Eindrücke inhalieren.
Die Zeit vergeht wie im Flug und schon ist es Zeit für die Mittagspause. Robby nimmt uns zur Seite und lässt uns einen Kalksteinfelsen anfassen. Ich bin völlig überrascht. Selbst bei dieser Hitze schein das Gestein völlig kühl zu bleiben. Ich lehne mich mit meinen Rücken an den Stein und nutze seine angenehme Kühle. Unglaublich was die Natur alles drauf hat.
Wir beschliessen zusammen die restliche Strecke in der weissen Wüste etwas langsamer zu fahren und enger zusammen zu bleiben. Wir wollen die letzen Stunden ganz bewusst miteinander verbringen. Es ist auch eine Region wo man sich wirklich Zeit zum Schauen nehmen muss.
So fahren wir gemeinsam weiter durch die Schluchten der weissen Wüste. Vorbei an monumentartigen Gesteinsformationen, kleinen Palmenoasen und Akzienfeldern. Ganz allmählich wird die weisse Wüste auf der weiteren Fahrtstrecke etwas schmutzig. Wenigstens habe ich den Eindruck. Als wir an der Ortschaft Wadi Agabat vorbeikommen stossen wir auf die erste Zivilisation seit mehreren Tagen. Wir fahren aber ganz einfach daran vorbei. Wir wollen noch nicht zurück, wir wollen noch unsere Wüste haben welche wir so zu lieben gelernt haben.
Der Untergrund wird jetzt immer dunkler und geht allmählich in schwarz Über. Wir streifen die schwarze Wüste. Schwarze Wüste, weil der Sand von schwarzem Lavagestein überlagert ist. Hier wo die schwarze Wüste beginnt stossen wir auf eine Piste mit festgefahrenem Boden welcher mit feinem Sand überlagert ist. Seit Tagen wieder so etwas ähnliches wie eine Strasse. Richtige Dünen wären mir lieber aber es geht Richtung Baharia.
Nach weiteren 30 km auf dieser Piste erreichen wir Baharia, unseren Ausgangspunkt der Tour. Seitlich versetzt fahren wir als Pulk in Baharia ein. Es ist ein unvergesslicher Augenblick für mich wie wir die letzten Kilometer zusammen zurücklegen. Jeder versucht Blickkontakt mit dem anderen aufzunehmen. Und jeder Blikkontakt sagt mehr als tausend Worte. Wir sind alle so dankbar das miteinander erlebt haben zu dürfen.
Und da treffen wir auch schon das letze mal auf unsere Jeeps. Die Jungs haben unsere Sachen aus den Jeeps bereits in den Bus verladen. Nasser hat nochmals für uns Tee vorbereitet welchen wir dankbar annehmen. Auch die Jungs sind ruhig geworden. Wir hatten eine super Woche und wir haben uns so super gut verstanden. Robby bricht das Eis und verabschiedet sich von den Jungs. Er hat es gut, er wird sie ja bald wieder treffen um mit ihnen auf Tour durch die Wüste zu gehen. Ich werde sie auch wieder sehen. Denn bald bin ich wieder da um eine neue Tour mit Robby zu machen. Marsa Alama, Shoukran Habibi, ich drücke jeden einzelnen von ihnen und steige dann in den Bus.
Die Fahrt zurück nach Cairo geht in die Dunkelheit. Jeder von uns hängt seinen Gedanken und Erinnerungen nach. Die Woche hat Kraft gekostet, trotzdem kann ich im Bus nicht schlafen. Als wir nach Kairo kommen vermisse ich meine Wüste erst recht. Diese Hektik und dieser Verkehr, ach wie waren doch die Nächte unterm Sternenhimmel ruhig und schön.
Wir checken im Hotel ein und ich stell mich erst mal unter die Dusche. In meinen Gedanken bin ich aber bei den Jung in der Wüste und irgendwo in den Sanddünen. Ich geniesse das Wasser welches über mein Gesicht läuft und die Erinnerung an eine geniale Woche.
Nach dem gemeinsamen Abendessen treffen wir uns mit Robby in der Shisha-Ecke – wo auch sonst! Wir sitzen heute sehr lange zusammen, keiner will gehen. In unserem Gespräch lassen wir viele Momente der vergangen Woche wieder aufleben. Was wir erleben konnten war wirklich grossartig. Robby hat mit iQ-onTour wirklich etwas geschaffen was ihm so schnell keiner nachmacht. Er hat es geschafft Wüste, Kultur und Menschen in seinem Lifestyleprogramm „Abenteuer Wüste“ zu vereinen. Die perfekte Organisation und sein super Team geben alles um eine grossartige und erlebnisreiche Woche mit dem Motorrad in der Wüste zu garantieren.
Ich werde jetzt einige Stunden schlafen und mich dann von meinen Teamkollegen beim Frühstück verabschieden. War eine super Truppe. Schade, dass sie alle nach Hause fliegen. Gerne hätte ich sie auch auf der zweiten Woche meines Urlaubes mit dabei. Morgen fliege ich mit Robby weiter nach Hurghada. Dort gehen wir eine Woche auf die MY Aml Hayaty auf Tauchsafari. Das neue Ziel heisst dann der Süden von St. John´s.


