Wüstensafari mit IQ-Ontour Teil2
Published: 04/22/2010 by Wolfgang

Das Frühstück ist bereits fertig und Nasser begrüsst mich mit einem sehr
fröhlichen Lächeln und dem Gruss „Sabah el Khair“ was soviel wie einen wunderschönen guten Morgen bedeutet. Auch meine Teamkollegen rappeln sich langsam hoch und kommen
zum Frühstück.
Und schon wieder sieht die Wüste ganz anders aus. Wie viele Gesichter hat diese Wüste eigentlich? In dem weichen Morgenlicht, es ist immerhin erst 07.00 Uhr, zeigt sie sich in einem ganz weichen Ton so wie Samt. Es ist angenehm kühl und allein in dieser Umgebung zu Frühstücken ist ein Erlebnis. Ich könnte mich in das Ful (Bohnen in dicker brauner Sosse mit Tomaten und herrlichen Gewürzen) legen. Das Spiegelei wir da wirklich zum Statisten. Mensch diesen Nasser sollte man mit nach Hause nehmen können.
Robby holt mich ein wenig aus meinen Träumen. Er erklärt uns bereits jetzt möglichst viel Flüssigkeit aufzunehmen. Nasser hat Mangosaft, Mineralwasser und kalten Tee mit Limonem für uns vorbereitet. Auch unsere Wasserflaschen und die Trinkrucksäcke sind bereits mit Wasser von ihm gefüllt. Deutlich ist das System zu erkennen. Ohne dass das Frühstück in irgendeiner Form gestört wird laufen bereits die Vorbereitungen für den Start in die Tagesetappe.
Noch etwas Wasser ins Gesicht, Zähne geputzt und das Zelt abgebaut. Alles ist in kurzer Zeit erledigt. Weiter haben wir uns um nichts zu kümmern. Robby sitzt schon im Sattel seiner KTM als ich meinen Helm aufsetze. Immer noch diese Ruhe und was mich total begeistert, es ist absolut keine Eile oder Hektik zu spüren. Der herzhafte Sound der KTM von Robby ist das Startsignal in den neuen Tag. Ein kurzes Handzeichen von ihm als letzten Check dass wir alle bereit sind und los geht´s.
Nach wenigen Kilometern verlässt Robby die Piste und geht Off Road im wahrsten Sinne des Wortes. Meine KTM verlangt mir meine ganze Konzentration ab. Nur für den Blick nach meinen Kollegen bleibt mir Zeit. Das Gelände ist nicht sonderlich schwierig, aber die unterschiedlichen Tiefen des weichen Sandes machen es tückisch. Am Gas bleiben hat Robby erklärt. Lass das Hinterrad tanzen und bleib am Gas. Ja genau das war der Tip. Gib dem Bike
seine Freiheit und geniesse diese Freiheit. Wir mit einem Brüllen meiner KTM schleudert der Hinterreifen den feinen Sand meterhoch in die Luft und es ist wie wenn ich über die Wüste fliegen würde. Mit jedem Kilometer bekomme ich den Untergrund besser in den Griff und es ist der ultimative Fahrspass noch viel besser als von mir erträumt.
Die Gruppe fährt versetzt in sicherem Abstand, bleibt als Gruppe dennoch zusammen. Offensichtlich kommen alle sehr gut mit ihren Motorrädern zurecht und mehr und mehr geht es in etwas düniges Gelände. Robby stimmt die Route offensichtlich genau auf das Fahrverhalten von uns ab. Sobald wir uns an eine Situation gewöhnt haben und damit klar kommen geht er in die nächste Schwierigkeitsstufe über. Ich weiss was er vor hat, oder besser ich glaube es zu wissen. Sein einigen Kilometern spielen wir mit kleinen Sanddünen. Es ist auf dem feinen Sand wie wenn ich auf Watte fahren würde. Irgendwie erinnert mich das an Surfen auf einer gigantischen Welle. Ein ständiges auf und ab in den Dünen zieht mich total in den seinen Bann.
Immer noch muss ich mich sehr auf meine Maschine und das Gelände konzentrieren. Trotzdem finde ich immer mehr Zeit für einen Blick in die Weite der Wüste. Die Dünen rücken immer näher zusammen und werden höher. Wie im Slalom fahren wir zwischen ihnen hindurch und immer wieder geht es mit Vollgas steil hinauf und dann endlang des Grades bis zur atemberaubend steilen Abfahrt. Das macht solch tierischen Spass und regelrecht süchtig.
In regelmässigen Abständen zeit uns Robby an Flüssigkeit aus unseren Trinkrucksäcken aufzunehmen. Ich würde trinken vor lauter Faszination ohne diese Erinnerung tatsächlich vergessen.
Robby hebt seinen linken Arm, unser abgesprochenes Zeichen um langsam zu fahren. Das glaube ich jetzt nicht. Am Fusse einer langgezogenen Düne stehen unsere Jeeps. Wie finden die sich in dieser Wüste immer wieder?
Mittagspause! Kurze und klare Ansage von Robby. Als wir von unseren Maschinen steigen kommt Nasser schon mit frischem Pfefferminztee. In dieser Hitze ist Tee neben Wasser das beste Getränk. Ohne den Fahrtwind nehme ich jetzt erst bewusst wahr wie heiss es mittlerweile ist und bin Robby für sein ständiges drängen während der Fahrt zu trinken wirklich dankbar.
Dankbar bin ich auch Nasser der die Mittagspause mit einer frischen Honigmelone und Mangos einläutet. Vitamine und Mineralien sind genau das was ich jetzt brauche. Nasser weiss genau in der Hitze das Richtige zum Essen ist. Milder weisser Käse mit frischen Tomaten und Gurkenscheiben als Sandwitch in dem typischen Fladenbrot. Würzige Falafel
und natürlich der unvermeidliche Tee. Julia und Stefan nutzen die Gelegenheit und legen sich für einige Minuten hinter dem Jeep in den Schatten. Robby spricht sich mit den Fahrern für den nächsten Abschnitt ab und erkundigt sich nach unserer Verfassung. Wieder haben wir während des Fahrens überhaupt nicht bemerkt, dass das doch anstrengend ist. Jeder von uns war so konzentriert und wollte einfach alles aufnehmen.
Jetzt geht es dann in die wirklichen Sanddünen verkündet Robby. Wir werden die nächsten Stunden ausschliesslich in diesen Dühnen „surfen“ und Spass ohne Ende haben. Nochmal einen Schluck Wasser und schon ist es Zeit wieder auf die Motorräder zu steigen. Stefan war die Pause fast zu lange. Er kann es nicht erwarten wieder den herrlich weichen Sand unter sich zu spüren. Auch Julia schwingt sich mit derartigem Elan wieder in den Sattel, dass es wie eine Aufforderung endlich loszufahren zu mir rüberkommt. Das gewohnte Nicken von Robby
und weiter geht es.
Auch wenn der Fahrtwind alles andere als kühl ist, so empfinde ich ihn doch als wunderbar angenehm, stelle mich auf die Fussrasten, gib mehr Gas und lasse meine KTM wieder unter mir tanzen.
Die Sonne oder besser der grosse glühende Punkt am wolkenlosen Himmel hat keine Gnade mit uns. Jetzt am frühen Nachmittag gibt es ihr kein entrinnen. Nicht ein einziger Schattenpunkt ist auszumachen, dafür aber eine Dünenlandschaft wie aus dem Bilderbuch.
Diagonal arbeitet sich Robby mit seiner KTM eine mehrere Kilometer lange und extrem hohe Düne hinauf. Sein Hinterrad spuckt den Sand wie einen Strahl nach hinten weg. Spontan fällt mir der Vergleich mit einer Fräse ein. Da will ich auch rauf also Gas voll auf und nur nicht mehr zurücknehmen. Aus den Augenwinkeln sehe ich gerade noch bevor ich die Auffahrt angehe, dass sich offensichtlich alle dazu entschlossen haben diese gewaltige Düne zu erobern.
Nur kein Gas wegnehmen. Einmal den Gashahn zurückgedreht steckt die Maschine auch schon fest. Gewicht noch ein wenig nach vorne verlagern und weiter. Unhaltsam und dennoch gleichzeitig wie in Zeitlupe bringt mich meine KTM nach oben. Der Grad der Düne schein
Messerschaf zu sein, wenigstens schaut es so aus. Wo ist denn Robby? Er ist schon oben und
Fährt den Grad entlang wie wenn er direkt in die Sonne entkommen wollte. Ich bin mir aber sicher, dass er uns alle im Blick hat. Und da ist ja auch noch Sameh, der nicht viel redet aber immer zur Stelle ist und jede Tempo- oder Richtungsänderung von uns sofort registriert und reagiert.
Noch 100 Meter, dann bin ich auch oben. Ich kann es kaum noch erwarten, aber die müssen erst mal gemacht sein. Mit jedem Meter den ich mich nach oben arbeite breitet sich die Wüste mehr vor mit aus. Es ist ein Blick in die Unendlichkeit, ein Gefühl als wenn man in den Weltraum blickt.
Noch 10 Meter bis zum Grad, also ganz langsam die Vorbereitung zum Surfen treffen. Nur nicht stehen bleiben. Ach was ist das für ein Gefühl, freie Sicht nach beiden Seiten und meine
KTM nimmt weiter Fahrt auf. Entlang des Dünengrades auf extrem feinen Sand. Ist das jetzt
eigentlich schon schweben oder immer noch fahren? Bitte lass diese Düne doch niemals aufhören, das Gefühl ist so grossartig, ich bin im Paradies!
Auch die restlichen Fahrer haben den Grad erreicht. Ich freu mich, dass wir es alle geschafft haben bereits erste wirklich hohe Düne zu meistern. Irgendwie kann ich fühlen dass alle in die gleiche Gefühlseuphorie verfallen sind wie ich. Und weiter, weiter die Düne entlang, bitte lass sie nicht aufhören.
Und es geht weiter. Und wie es weiter geht. Robby hebt seine Hand um uns zu Warnen. Er wird etwas langsamer somit können wir zu ihm aufschliessen. Ist der jetzt Wahnsinnig geworden? Er überquert den Dünenkamm und fährt die nahezu senkrechte Wand der Düne auf der anderen Seite nach unten zu. Oh verdammt, ist das steil. Egal, ich will da runter und Robby weiss genau was er macht. Jetzt nur nicht bremsen oder eine ruckartige Lenkbewegung. Einfach rüber und. Mensch ist das gut! Ich kann es nicht fassen. Es ist nicht senkrecht aber wirklich extrem steil. Der Sand führt die Maschine nahezu und bremst auch zugleich. Es ist ein irres Gefühl regelrecht an der Düne zu kleben. Ist wie Tiefschneefahren im steilen Gelände. Etwas mehr Gas um das Vorderrad weiter aus dem Sand zu bringen und dann ist es auch schon geschafft. Am Fuss der Düne wartet Robby mit breitem Grinsen und wartet bis es alle geschafft haben.
In den Gesichtern kann ich immer noch die Anspannung aber auch den Stolz meiner Kollegen erkennen. Feuertaufe bestanden meldet sich Robby zu Wort. Ein Lob von ihm ist wie eine Auszeichnung für uns und wir freuen uns alle darüber.
Nach einer kurzen Trinkpause geht es weiter. Immer wieder auf und über Dünen und wir können gar nicht genug davon bekommen. An Dünen mangelt es hier bestimmt nicht. Aber der Stand der Sonne zeigt uns an, dass diese Etappe sich langsam zu Ende neigt. Auf dem Grad einer Düne deutet Robby in die Ferne und da erkenne ich am Horizont einen See und Palmen. Noch ganz klein aber doch deutlich zu erkennen. Das muss die Oase Siwa sein, unser Tagesziel.
Obwohl ich mich auf diese Tour gut vorbereitet hatte war mir nicht bekannt, dass in Siwa ein wirklich grosser See mitten in der Wüste ist. Um so mehr bin ich überrascht, als wir aus den Dünen herausfahren und dann 20 Minuten an einem riessigen Salzsee entlangfahren. Das ist eine Traumwelt. Mitten in der Wüste und dann so ein See. Aber auch von Siwa bin ich überrascht. So gross habe ich mir die Oase nicht vorgestellt. Schade, dass die Dämmerung schon eingesetzt hat und ich diese Palmengärten nur noch schemenhaft erkennen kann.
Auf nicht asphaltieren, von Palmen eingesäumte Strassen fahren wir in die Oase ein. Robby führt uns zielsicher zu unserem Nachtlager, das Siwa Safari Hotel. Vor dem Hotel treffen wir wieder auf unsere Jeeps.
Das kleine Hotel befindet sich in einem einzigen Palemengarten. Wie in einem Märchen aus 1001 Nacht. Wir stellen unsere Maschinen ab und freuen uns auf eine ausgiebige Dusche. Die Etappe heute war wirklich anstrengend aber auch wunderschön. Mit strahlenden Gesichtern klopfen wir den Sand von uns ab und checken im Hotel ein. Minutensache, denn alles ist bestens vorbeitet und – ich glaube es einfach nicht. Bis ich meinen Meldezettel ausgefüllt habe sitzt Robby bereits gemütlich unter den Palmen vor der Rezeption und raucht seine Shisha. Seine Jungs kennen seine grosse Leidenschaft und somit steht seine Shisha sofort parat.
Mir steht es nach Duschen. Der feine Sand sitzt überall. Treffpunkt zum Essen in einer Stunde ruft uns Robby noch hinterher. Aber ich will jetzt ganz einfach duschen. Vorsichtshalber ziehe ich meine Stiefel mal vor der Zimmertüre aus. Da alle Zimmer wie kleine Bungalows sind mit Zugang von aussen ist das kein Problem. Als ich meine Socken ausschüttele bin ich mir absolut sicher die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Die Dusche finde ich gleich neben der Eingangstüre links. Aber Hallo, das Zimmer ist kühl, die Aircondition eingeschaltet. Das ist ja eine freudige Überraschung. Aber trotzdem, jetzt erst mal duschen. Ich kann nicht beschreiben wie schön sich ganz normales Wasser auf der Haut anfühlt. Wer sich dieses Gefühl mal richtig geben will, muss eine Wüstentour machen. Und wer nicht glauben kann wie viel Sand sich an einem menschlichen Körper festsetzten kann der muss sich die Duschwanne nach der Dusche anschauen.
Ach ist das ein herrliches Gefühl, frisch geduscht und rasiert. Ich fühle mich wie neu geboren und freu mich jetzt wirklich auf das Abendessen. In dem Zimmer gibt es sogar
Satellitenfernsehen, die Matratze des Bettes ist schön hart und alles ist wirklich sauber. Ich habe echt viel Zeit mit dem Duschen zugebracht. Die Stunde ich nahezu um und ich habe Hunger.
Überrascht bin ich, dass Julia schon auf der Terrasse sitzt. Auch Robby ist schon da. Er sitzt mit einem Ägypter und unterhält sich mit ihm. Er stellt mir den Mann als Ali vor, sein Kontaktmann in der Oase Siwa. Ali kümmert sich darum dass in der Oase alles für die Gruppen von Robby perfekt organisiert ist. Ich finde das gut, dass wir all die Leute mit welchen Robby arbeitet kennen lernen. Es zeigt mir aber auch welch gute Kontakte er zu diesen Leuten und diesem Land hat. Ansonsten wäre vermutlich eine solche Tour auch gar nicht durchzuführen.
Gott sei Dank kommen meine weitern Mitstreiter und Ali gibt das Zeichen das Essen aufzutragen. Heute ist Schlemmern angesagt. Es gibt ein echtes Beduinenmenue. Allein dieses Menue zu beschreiben und zu erklären ist eine Aufgabe für sich. Erwähnt sei nur, dass das Fleisch in einem Sandloch für mehr als drei Stunden auf glühender Holzkohle vergraben wurde. Ich bin froh, dass sie es wieder gefunden haben. Ich habe selten etwas besseres in meinem Leben gegessen.
Ali und Robby achten peinlichst genau darauf, dass auch alle viel essen. Nach ägyptischer Tradition wir ohne zu fragen immer nachgelegt. Ich weiss wirklich nicht ob ich von der anstrengenden Etappe oder von dem klasse Abendessen mehr erschöpft war.
Mit Einbruch der Dunkelheit wurde es von der Temperatur her sehr angenehm. Schon ein herrliches Gefühl sich unter den Palmen relaxt und zufrieden zurückzulehnen. Ali erklärt uns noch die Geschichte der Oase Siwa und macht uns richtig neugierig auf die Besichtigung der Oase morgen früh.
Ich weiss nicht wie es die anderen machen. Mir fallen jedenfalls die Augen zu und ich geh zu Bett.
Wolfgang, Frühstück, es ist 7 Uhr! Das war die Stimme von Robby welche mich weckte. Ich habe wunderbar geschlafen und würde mir gerne noch eine halbe Stunde gönnen. Aber bei dieser Tour geht das nicht anders, also raus aus den Federn.
Heute bin ich mal der letzte welcher zum Frühstück kommt. Alle sind bester Stimmung und schon am essen. Die heutige Etappe ist die Sahara al Kubra (Grossen Wüste) rund um die Oase Siwa. Doch nach dem Frühstück starten wir zunächst einmal mit der Besichtigung der Oase selbst. Auf unseren Bikes führt uns Robby zunächst zu der verlassenen Uroase (Shali). Diese befindet sich im Zentrum der heutigen Oase Siwa und zeigt noch deutlich die Bauweise und die Gruppierung der Häuser um einen kleinen Bergkegel. Echt beeindruckend wie sich die Oasenbewohner noch vor nicht einmal 80 Jahren aneinandergeschmiegt haben um zu überleben. Nach einem Tee in einem typischen Coffeeshop geht es weiter zum Orakeltempel von Amun. Ist schon beeindruckend was die damals gebaut haben. Da das alles in jedem guten Reiseführer beschrieben ist, will ich nicht weiter darauf eingehen. Jedenfalls war es schon beeindruckend das zu sehen wegen dem schon Alexander der Grosse nach Siwa gekommen ist. Diese Oase Siwa hat etwas! Man fühlt sich um hunderte von Jahren zurückversetzt obwohl die moderne Technik längst ihren Einzug gehalten hat. Trotzdem strahlt die Oase solche Ruhe und Gelassenheit aus, dass ich gerne länger geblieben wäre. Ich werde aber zurückkommen um das auszuleben, das steht für mich bereits fest. Nach unserem typischen Mittagessen – heute etwas früher als sonst – verabschieden wir und von unsren Jeeps und dessen Fahrer. Sie werden wieder einen ihrer Wege nehmen um uns dann heute Abend irgendwo da draussen in der Sahar Kubra auf uns zu warten.
Grosse Wüste, ja das kann man wohl sagen. Das muss man wirklich erlebt haben um die Dimensionen zu verstehen. Sanddünen soweit das Auge reicht. Und genau da wollen wir jetzt wieder hin auf unseren Motorrädern. Jeder von uns ist wieder heiss darauf in den Dünden zu
„spielen“.
Robby checkt noch mal die Gruppe und dann wieder sein Nicken. Und gleichzeitig heulen die Motoren auf und wir fahren aus dieser wunderbaren Oase hinaus in die Sahar Al Kubra. Robby nimmt sofort die erste Düne ins Visier. Sameh ist wie immer am Ende der Gruppe. Wir „reiten“ auch heute eine Düne nach der anderen ab und es macht mindestens genau so viel Spass als gestern.
Die gehobene Hand von Robby zeigt uns, dass er uns eine Richtung gibt. Er fährt eine nicht allzu steile aber hohe Düne hinauf. Diese Düne fährt er aber anders an. Ich habe nicht den Eindruck, dass er sie „abreiten“ will. Ok, schauen wir mal was er vor hat. Wie abgesprochen folgen dieses mal alle genau der Fahrspur von Robby welcher tatsächlich am Grad der Düne stehen geblieben ist. Bei der Auffahrt sehe ich nichts anderes als Sand. So weit mein Auge reicht Sand. Als ich jedoch den Grad erreiche und darüber hinwegschauen kann glaube ich an eine Fatamorgana. Von der hohen Düne aus kann ich ganz deutlich einen kleinen See erkennen, eingerahmt von einem Schilfgürtel inmitten einer gigantischen Wüstenlandschaft. Robby zeigt in Richtung des Sees und alle von uns nicken. Die Abfahrt in dem weichen Sand ist mittlerweile schon Routine und somit bleiben wir dieses mal in einer Gruppe zusammen. In mir kommt ein richtiges „Wir-Gefühl“ aus. Ja so eine Tour verbindet wirklich.
Wenig später graben wir durch einen kräftigen Zug am Gasgriff das Hinterrad unserer Bikes so tief ein um die Maschine in dem feinen Sand sicher abzustellen und stehen vor einem See mitten in der Wüste. Ich kann es immer noch nicht glauben. Und als Robby uns dann die Information gibt, dass es ein Süsswassersee ist mit ca. 34 Grad Wassertemperatur und dass sogar Fische darin leben befürchte ich zu lange der starken Sonne ausgesetzt gewesen zu sein.
Jedenfalls verschwindet jeder von uns in dem Schilfgürtel und kommt wenig später in Badehose wieder zurück. Spätestens jetzt ist jedem von uns klar warum Robby darauf bestanden hat Badesachen als Basisausrüstung für diese Etappe mitzunehmen. Gerätselt haben wir ja schon über diese Aufforderung von ihm am Vorabendbriefing. Aber in der Wüste zu schwimmen hat dann doch wirklich niemand erwartet.
Obwohl ich lange überlegt habe wie ich das beschreiben soll, bin ich mir nicht sicher das tatsächlich entsprechend rüber bringen zu können was wir in dieser Situation empfunden haben. Ein kleiner See mit grünem Schilfgürtel mitten in einem Tal umgeben von hunderten von Kilometern mit Sanddünen, und wir schwimmen in diesem See und sehen doch tatsächlich in dem kristallklaren Wasser die von Robby erwähnten Fische. Diese halbe Stunde in dem See in dieser Umgebung wünsche ich all meinen Freunden erleben zu dürfen. Allein das ist eine Tour mit Robby schon wert, ohne die Erlebnisse mit den Motorrädern auch nur im geringsten schmälern zu wollen.
Wir haben noch gut 50 km vor uns erinnert Robby an unseren Zeitplan. Jedem von uns fällt es schwer sich von diesem kleinen See mitten in der Wüste zu verabschieden. Doch schon kommt das Zeichen von Robby und es geht weiter. Sofort sind wir wieder mitten in den Sanddünen mit dem Blick nach vorne was da wohl noch alles kommen wird.
Jetzt schon zu erkennen ist der anbrechende Sonnenuntergang. Wieder findet ein einzigartiges Farbenspiel statt. Die Wüste verfärbt sich und auch der Sandschweif welchen die Hinterräder unserer Bikes ausspucken wird im Licht der untergehenden Sonne zu einem Kunstwerk. Ich war immer der Meinung solche Bilder gibt es nur in der Zigarettenwerbung. Hier in der Wüste ist das aber der täglich Abschied der Sonne.
Als wir zu den Jeeps stossen haben die Jungs das Lager schon aufgebaut. Wir sind heute etwas später dran und es wird auch gleich nach unserem Eintreffen gleich dunkel. Das geht extrem schnell hier. Nasser war schon fleissig und so gibt es heute kein warten auf das Abendessen. Da wir Nasser heute Zeit gelassen haben hat es seinen Grill ausgepackt und
verwöhnt uns mit einem Barbeque.
Der Sternenhimmel nimmt mich wieder in seinen Bann. Diese Ruhe und dieser Frieden um mich herum, so angenehm und wohltuend. Das Gespräch am Lagerfeuer dreht sich sehr lange um diesen Süsswassersee mitten in der Wüste.


